V. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Warschau - 31.07.-14.08.1955

DDR/BRD:

  • Die FDJ'ler hatten sich in einem Wettbewerb um die Fahrkarte nach Warschau beworben.
  • FDJ-Lied zu den Weltfestspielen "Heimat wir werden dich hüten"
  • Die 1.500 Teilnehmer aus der DDR unter Leitung von Karl Namokel und die 1.500 aus Westdeutschland und dem Saargebiet aus insgesammt 56 Organisation vereinigen sich, am Tage der Abfahrt nach Warschau, zu einer einheitlichen gesamtdeutschen Delegation, die auch nach dem Festival in Verbindung bleiben will.

International:

  • Petro Rubaschek, ein Junge aus Uruguay, sammelte 25.000 Unterschriften für den Wiener Appell. In Anerkennung für diese Tat übernahm des Internationale Festivalkomitee seine Reisekosten.
  • Damit die Transportaufgaben während dem Festival reibungslos gelöst werden können, stellen die Sowjetunion, die DDR, die CSR und Ungarn Omnibusse zur Verfügung.
  • 300 Organisationen die weder dem WBDJ noch dem ISB angehören sind nach Warschau gekommen. So setzt sich z.B. die Französiche Delegation zu 50 % aus Jugendlichen zusammen, die solchen Organisationen angehören.
  • Demokratische Jugendliga Japans und die christliche Organisation YMCA beteiligt sich erstmals an den Weltfestspielen
  • Das Festivalstadion mit 80.000 Plätzen wurde in nur 10 Monaten fertig gestellt. Die polnische Jugend leistet 150.000 freiwillige Aufbaustunden.
  • Für die 70.000 polnischen Festivaldelegierten wurden drei Festivalstädtchen Grochow, Rakowiec und Bilany aus Zelten errichtet. Die ausländischen Gäste schlafen in Schulen, Universitäten und Studentenwohnheimen.
  • Großen Protest unter den Festivalteilnehmern löste die Mitteilung aus, daß die Regierung Pakistans der Festivaldelegation des Landes die Ausreise nach Volkspolen verweigert hat.
  • Kosten für Reise und Aufenthalt in Warschau belaufen sich für jeden französischen Festivalteilnehmer auf 30.000 Franc. Für einen jungen Arbeiter oder Lehrling entspricht das acht Wochen Lohn, es wurde in Betrieben, Wohnblocks und Stadtbezirken gesammelt
  • Von Sidney bis Warschau braucht man per Schiff über sechs Wochen und 450 Australische Pfund (900 US $). Außerdem noch einen Paß um das Land (Australien) verlassen zu können. Um diesen für eine Reise zum Festival zu bekommen ist zumindest genauso schwierig wie die Beschaffung der 450 Pfund. Ein Bauarbeiter bekommt 15 Pfund die Woche. Trotzdem schaffte das Australische Festivalkomitee das Geld für 45 Delegierte zu sammeln.
  • Für Kanada gilt 13 Tage Reise und 700 $. Das sensationelle Kulturprogramm wurde auf dem Schiff eingeübt und dort vor der Besatzung und den übrigen Passagieren uraufgeführt.

Festival:

  • Der Einmarsch im Warschauer Zentralstadion: Das Festivalemblem gefolgt von den Fahnen des WBDJ und ISB. Danach kommen die Sekretäre des WBDJ und des ISB. Es folgen die Vorsitzenden der Jugendverbände. Danach kommen die Delegationen der Nationen eröffnet durch die Südafrikas, danach in alphabetischer Reihenfolge, beendet durch die Delegation Volkspolens.
  • Insgesamt nahmen Jugendliche aus 520 verschiedenen Jugend-, Gewerkschafts-, christlichen sowie Sport- und Kulturorganisationen am Festival teil.
  • Zu den am Festival teilnehmenden berühmten Persönlichkeiten gehörten der kolumbianische Schriftsteller Jorge Zalomea, der finnische Musiker Felix Krohn und der Schriftsteller Johannes Tralow.
  • Grußschreiben an das Festival richteten unter anderem Paul Robeson, Thomas Mann, Prof. Dr. Du Bois und der berühmte finnische Läufer Nurmi
  • Am 3. August besuchten Delegierte aus 52 Ländern, darunter auch viele Jugendliche aus der deutschen Delegation, die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Ausschwitz.
  • 200 kleine Tannen pflanzten Jungen und Mädchen aus 100 Ländern in der Warschauer Allee der Freundschaft.
  • Ein Ereignis der besonderen Art war das Partisanentreffen in den Wäldern von Jablonna.
  • Die gesamtdeutsche Delegation ruft in einer Erklärung zur Verständigung der Deutschen auf.
  • Neben mehr als 500 anderen Kulturveranstaltungen waren während des Festivals 116 Spiel- und 108 Dokumentarfilme aus 25 Ländern zu sehen. 2100 junge Poeten aus 41 Ländern stellten sich beim Literaturwettbewerb vor.
  • Der franz. Rundfunk sendet täglich 10 minütige Berichte vom Festival.
  • Festivalteilnehmer aus Frankreich, Marokko, Norwegen, der Tschechoslowakischen Republik, Polen, Nordafrika und Deutschland sandten dem 6. Senat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe ein Schreiben, in dem sie die sofortige Freilassung von Jupp Angenfort und Wolfgang Seifert forderte.
  • Treffen der Jugend, der fünf Großmächte USA, Sowjetunion, Großbritanien, China und Frankreich, am 10. August
  • Am 8. August fand eine internationale Sonderschicht beim Bau der Schule "V. Weltfestspiele" statt, an der auch vier junge Bauarbeiter aus Deutschland teilnahmen. Die Schule in der Narbuttastraße, wird in einem Stadtgebiet gebaut, welcher von den deutschen Faschisten volständig zerstört wurde.
  • eine französiche Mutter hat ihren kranken Sohn aus Paris nach Warschau gebracht. Er war franz. Offizier in Vietnam. Die Schrecken des Krieges hatten ihn um den Verstand gebracht. Monatelang schrie er wie ein Tier oder stierte stur vor sich hin. Die Ärzte rieten der Mutter zu der Reise. Der Junge wurde geheilt.
  • Der Blick der Welt auf Deutschland:
    "ein demokratisches Deutschland ist Voraussetzung für den Frieden Frankreichs und umgekehrt ist ein reaktionäres Deutschland eine dauerhafte Bedrohung für das französische Volk." Französische Delegierte auf dem französisch-deutschen Freundschaftstreffen
  • Jupp Angenfort und Wolfgang Seifert wurden mit der höchsten Auszeichnung des tschechoslowakischen Jugendverbandes der "Fucik Medaille" ausgezeichnet.

Zeittafel:

16.12.1955

Am ersten Gesamtberliner Jugendforum der FDJ mit Waldemar Schmidt, Prof. Gerhard Eisler, Manfred Klein, Joachim Hermann und Hans Modrow nehmen nahezu 400 Jugendliche teil.

27.07.1956

Die Junge Welt veröffentlicht einen Aufruf der Jugendbrigaden "Vorwärts" und "13. Oktober" des VEB Palla Wollen- und Seidenweberei in Meerane. Sie rufen die Jugend der DDR zu einem großen Produktionsaufgebot zu Ehren der VI. Weltfestspiele in Moskau auf.

26.08.1956

Der 4. Weltstudentenkongreß tagt in Prag. Werner Gerbeth, Sekretär des Zentralrats der FDJ, teilt dem Kongreß mit, daß die Studenten der DDR in Khartun ein Chemielager einrichten werden.

19.09.1956

Das Nationale Festivalkomitee der DDR zu den VI. Weltfestspielen wird gegründet. Dr. Johannes R. Becher, Minister für Kultur, wird zum Präsidenten des Festivalkommitees gewählt.

02.10.1956

Der Zentralrat der FDJ ruft alle jungen Arbeiterinnen und Arbeiter der DDR zu einem großen Produktionswettbewerb auf, der der Vorbereitung des Kongresses der Arbeiterjugend im Mai 1957 und der VI. Weltfestspiele in Moskau dienen soll.

28.12.1956

Der Zentralrat der FDJ fordert in einer Erklärung die sofortige Freilassung des von den Bonner Behörden widerrechtlich eingekerkerten schwerkranken Jupp Angenfort.

30.01.-01.02.1957

Auf dem 30. Plenum des ZK der SED schlägt Walter Ulbricht in seinem Referat über Grundfragen der Politik der SED eine Konföderation der beiden deutschen Staaten als einzig realen Weg zur Wiederveinigung vor.

18.-21.02.1957

Das Exekutivkomittee des WBDJ protestiert auf seiner Tagung in Berlin gegen das Wiedererstehen des deutschen Militarismus und gegen die Ernennung von Speidel zum Oberbefehlshaber der NATO-Landstreitkräfte in Mitteleuropa.

11.03.1957

Über 200 junge Arbeiter aus Westdeutschland und der DDR beraten in Leipzig gemeinsam mit dem Jugendausschuß des Bundesvorstandes des FDGB auf der Grundlage des auf der Gesamtdeutschen Arbeiterkonferenz beschlossenen Dokuments "Weg und Ziel der deutschen Arbeiterklasse" über die Zukunft Deutschlands. Vertreter des Zentralrats der FDJ nehmen teil.

15.03.1957

Der 3000-Tonnen-Frachter "Thälmann-Pionier" wird der Deutschen Seerederei Rostock übergeben. Die Jungen Pioniere sammelten für ihren Frachter 1,4 Millionen DM, 29000t Schrott, 495t Buntmetall und 290t Altpapier.

20.03.1957

Unter der Losung "Mit neuen Produktionserfolgen zu den VI. Weltfestspielen nach Moskau" beraten 700 junge Arbeiter der deutschen Hauptstadt auf einer von der FDJ-Leitung von Großberlin einberufenen Jungarbeiterkonferenz über ihre Aufgaben.

10.-16.07.1957

In Warschau finden Besprechungen zwischen einer Delegation des Zentralrates der FDJ und Vertreter polnischer Jugendverbände statt.

Die Beratungen dienen der weiteren Vertiefung der Freundschaft an der Oder-Neiße-Friedensgrenze.